„Sage mir, wie
Du gefragt wurdest, dann sage ich Dir, wie Du
geantwortet hast.“ Diese Weisheit, die davor
schützen soll, den Meinungsumfragen der
Forschungsinstitute allzu viel Gewicht beizumessen,
hat sich im Falle des Berliner Schlosses erneut
bewahrheitet: Hatten bei einer Umfrage des
Forsa-Instituts im Mai noch 80 Prozent von 1005
repräsentativ befragten Berlinern gesagt, dass man
angesichts der Haushaltslage auf das Bau-Projekt
verzichten sollte, kommt eine Umfrage von Infratest dimap im Juni zu ganz anderen Ergebnissen. Demnach
sind von den 1000 repräsentativ befragten Berlinern
70 Prozent grundsätzlich für den Bau, 25 Prozent
sind prinzipiell dagegen und fünf Prozent haben gar
keine Meinung dazu. Haben es sich die Berliner
innerhalb nur eines Monats anders überlegt? „Nein“,
sagt der Berliner Professor Richard Stöss, der am
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft die
Arbeitsstelle Empirische Politische Soziologie
leitet. „Dieses eklatant andere Abstimmungsergebnis
erklärt sich aus der Fragestellung.“ Während Forsa
im Auftrag einer Berliner Zeitung generell nach
Einsparpotenzialen angesichts der Krise gefragt
hatte, stellt Infratest die „Schloss-Frage“ im
Auftrag des Fördervereins Berliner Schloss in einen
ganz anderen Zusammenhang. Die erste Frage lautete:
„In Berlin soll an historischer Stelle gegenüber dem
Dom das Humboldt-Forum in Gestalt des Berliner
Schlosses gebaut werden. Finden Sie, dass ein
solches Gebäude mit wieder aufgebauten historischen
Fassaden in der Stadtmitte gut ist für Berlin oder
nicht?“